HOME | RSS | NEWSLETTER | AUS MEINER SICHT | GÄSTEBUCH | HILFE | IMPRESSUM
     Suche:
WAHLKREIS ,
Sie sind hier: WAHLKREIS > Parl. Patenschaften > PPP 2005/06

Parlamentarisches Patenschaftsprogramm 2005/06

"Hinein in ein neues Leben"

PPP 2005
Miriam Fritz berichtet Nicolette Kressl von ihren Erfahrungen

Von Miriam Fritz

Am Ende der neunten Klasse erfuhr ich durch Zufall vom Parlamentarischen Patenschaftsprogramm. Ohne langes Zögern bewarb ich mich um das Stipendium für den einjährigen USA - Aufenthalt. In den darauffolgenden Monaten wurde mein Briefkasten von YFU - Post regelrecht überflutet: Es war an der Zeit Bewerbungsunterlagen auszufüllen, Vorstellungsgespräche zu besuchen und YFU von mir zu überzeugen. An Weihnachten 2004 erfuhr ich von meinem Glück in das PPP aufgenommen worden zu sein. Überglücklich nahm ich an allen darauffolgenden Vorbereitungstagungen, Zeltwochenenden und Nachmittagstreffen teil, im August 2005 ging es dann endlich zu Sache.

Gefühlschaos beim Abschied

Beim ins Auto steigen änderte sich mein Enthusiasmus über das bevorstehende Jahr schlagartig. Ich war sehr nervös und war mir nicht mehr sicher, ob dieses Austauschjahr denn wirklich das Richtige für mich sei. Begleitet von meinen Eltern und meiner besten Freundin wurde die Fahrt zum Flughafen jedoch besser als erwartet und als ich in Frankfurt die ersten YFU'ler, die ich schon von den VBTs kannte, entdeckte waren alle Zweifel vergessen. Ich verabschiedete mich von meinen Eltern und lief durch die Sicherheitszone hinein in ein neues Leben.

New York City - Gelungener Anfang für mein Jahr!

Die ersten Tage meines Austauschjahres verbrachte ich zusammen mit 60 anderen PPP - Stipendiaten in New York City. Verschiedene Workshops, um uns auf das ATJ einzustimmen, wurden vom AYA Staff durchgeführt. Unsere amerikanische Organisation gab sich alle Mühe, uns auf die kulturellen Erfahrungen, die uns bevorstanden, vorzubereiten. Shopping in den New Yorker Malls und eine Stadtführung durch die großartige Stadt durften natürlich auch nicht fehlen. Nach drei Tagen Spaß und Vorfreude war es am Freitag dann soweit, uns von allen Freunden zu verabschieden, uns über die USA zu verstreuen und unsere Gastfamilie zu treffen.

Ankunft am DFW Airport

Mit einem Mimi-Schild holten mich mein Gastmutter Miss Kathern Boshears, meine vierjährige Gastschwester Karlee und mein zwölfjähriger Nachbar Josh vom Fughafen in Dallas/Fort Worth ab. Von der ersten Sekunde an war es uns allen klar, zwischen uns stimmte die Chemie. Ein letztes Mal hieß es Abschied nehmen von den wenigen Austauschschülern, die im gleichen Flugzeug zu ihrer Gastfamilie flogen, und dann war ich alleine: alleine in meiner neuen Welt, alleine in meiner neuen Familie!

Jetzt wird's ernst!

Schon nach wenigen Tagen musste ich zum ersten Mal in die Schule. Die Fächerwahl stand an. Ich entschied mich für eine Kombination von Fächern, die mich sowohl mit Schülern der 11. als auch der 12. Klasse in Verbindung bringen würde. Meine Fächer für das Schuljahr waren US-Government/Economics (Lehre über das amerikanische Regierungs- und Wirtschaftssystem), Chemie, Sport, US-History (Lehre der amerikanischen Geschichte), Spanisch, Mathe und Englisch.

Was ist denn hier los?

Eine Erfahrung, die ich bald machen musste, war, dass das Niveau des amerikanischen Schulwesens und die Arbeit, die die amerikanischen Highschool Schüler in ihre Schulkarriere steckten, mit meinen deutschen Erfahrungen nicht zu vergleichen waren. Oft war es mir unverständlich, ob es den Schülern dort am Wissen über die heutige Situation, dass die Chancen ohne exzellenten Schul- und Ausbildungsabschluss am Arbeitsmarkt einen Job zu finden, extrem schwierig sind, mangelte, oder ob es ihnen leider einfach am Willen fehlte. Für mich war es auch eine Herausforderung mit der Nachlässigkeit, der damit verbundenen Unzuverlässigkeit und dem Nichtwollen der meisten Schüler umzugehen und für mich trotzdem noch das Beste aus dem Schulleben zu machen. Oft war die Versuchung groß, es einfach genauso zu machen wie alle anderen, es hätte ja sicherlich nicht mal die Lehrer gestört. Manchmal musste ich sogar erfahren, wie man den Lehrern mit Spaß am Unterricht und häufigem Fragenstellen eher auf die Nerven ging als dafür gelobt zu werden. Schlafen im Unterricht, Nichterscheinen, Schminkorgien im Klassenzimmer und tägliches Nichtstun sind für die Schüler dort genug um Jahr für Jahr weiterzukommen. Fragen wie "Ist Europa ein Land oder ein Kontinent?", "Gibt es bei euch Autos?", "Kennt man in Deutschland Demokratie?", oder "Habt ihr Telefone?" waren leider keine Ausnahme. Am Ende der Highschool haben bestimmt 80% der Schüler einen Abschluss. Auf den Colleges werden sie nur genommen, weil sie entweder artistisch begabt sind oder große Sporterfolge feiern. Nach einem Jahr dort werden sie rausgeschmissen und fangen dann an als Bedienung zu arbeiten oder sich mit Kleinjobs über Wasser zu halten. Angeblich gibt es in Amerika die besten Voraussetzungen, um im Job erfolgreich zu werden, die besten Universitäten und die interessantesten Forschungslabore. Warum diese Stätten alle von ausländischen Menschen genutzt werden, kann ich jetzt ein bischen besser verstehen. PPP 2005

Let's Go Forney, Let's Go!

Schoolspirit (Schulgeist) war groß angesagt bei Forney Highschool! Es heißt, je kleiner die Schule desto größer der Schulgeist! Damit ist es genau getroffen: Mit rund 1000 Schülern gehörte FHS zwar eher zu den kleineren Schulen in Texas, der Zusammenhalt, die Unterstützung, das Beisammensein, der Schulgeist war dennoch die überraschendste und interessanteste Erfahrung, die ich von dort mitnehmen konnte.

Vom ersten Schultag an fühlte ich mich wie eine von den FHS'lerinnen. Ich wurde herzlichst aufgenommen, Sitznachbarn fragten mich aus wer ich denn sei, woher ich komme, und waren sofort begeistert von meinem Dasein als Austauschschüler. Am ersten Schultag in der Mittagspause hatte ich schon Freunde gefunden, wunderbar, damit hatte ich schon einen festen Sitzplatz in der Cafeteria, ich fühlte mich überaus wohl.

Gleich in der ersten Woche begann die Football-Saison und somit die jeden Freitag stattfindenden Pepralleys. Die komplette Schule versammelte sich in der Sporthalle, mit lauter Musik der Schulband wurden alle auf das Spiel am Abend eingestimmt. Die Cheerleader und das Drillteam tanzten bis zum Umfallen und dann kam der Einmarsch der Sportteams: Das Footballteam voraus und hinterher die Volleyballerinnen, die Crosscountryläufer, das Tennisteam. Alle grölten, cheerten, feuerten die Sportler an, es war ein unbeschreibliches Gefühl. Dieses hörte beim Ende der Veranstaltung glücklicherweise auch nicht auf, Freitagnachmittag redete der ganze Ort nur über das anstehende Spiel am Abend, um Acht ging's dann los: Anpfiff! Obwohl unsere Schulmannschaft zugegeben sehr, sehr schlecht war und die komplette Saison über nur zwei Spiele gewinnen konnte war das riesige Stadion bei jedem Spiel mit Forney'lern gefüllt.

Im September war Homecoming. Traditionellerweise bedeutet dies das erste Heimspiel der Footballmannschaft. Aus technischen Gründen geht das heute nicht mehr, deshalb wird einfach irgendein Heimspiel dafür ausgesucht. Alle Mädchen basteln sich eine Mumm, eine Art Schärpe auf der sie ihre Hobbys, ihre Klasse und ihre Unterstützung für die Footballspieler zum Ausdruck bringen. Diese trägt man am Tag des Spieles in der Schule und natürlich abends beim Spiel. Am darauffolgenden Tag ist der Homecoming Tanz. Unsere Schule war im Ausnahmezustand, noch nie hatte ich eine solche Begeisterung bei allen Schülern und Lehrern und natürlich den ganzen Sportlern gesehen. Zum Tanz erschienen Schüler aller Klassenstufen und amüsierten sich. Das am Tag zuvor verlorene Homecoming Footballspiel hatten alle vergessen. Unsere Cafeteria war zur Tanzfläche, dekoriert in den Schulfarben schwarz und gold, ungebaut worden. Der Abend war eine tolle Erinnerung, an die wir alle noch das ganze Jahr über zurückdachten.

Hartes Training mit großem Erfolg!

Auch in den einzelnen Sportmannschaften regierte Zusammenhalt, Stärke und Gewinn. Am Sportprogramm meiner Schule teilzunehmen war die beste Entscheidung meines Jahres. Ich konnte eine neue Art Sport zu treiben kennen lernen. Im ersten Semester spielte ich Volleyball, dann beim Semesterübergang kam für mich keine Sportart gelegen, ich war damit in Off-Season (allgemeiner Sportunterricht ohne Spezialisierung auf eine bestimmte Sportart), im letzten Semester spielte ich die typisch amerikanische Sportart Softball. Softball war eine super Erfahrung. Zuerst waren Try-Outs. Ich erwartete nichts anderes als in der dritten Mannschaft zu spielen, umso überraschter war ich als ich einen Stammplatz in der Zweiten bekam. Mit jedem Training lernte ich mehr, und als die Saison unserer Mannschaft rum war, wurde ich in die Erste hinaufgezogen. Auf Grund von Nichtvorhandenen Papieren mussten wir dann später erfahren dass ich nicht auf Wettkämpfen dieser Mannschaft teilnehmen konnte, aber mein Trainer behielt mich trotzdem dabei. Diese Erfahrung war wundervoll: Wir hatten verschiede Play-off Spiele auf Feldern von großen Universitäten und schafften es bis ins Finale der besten 20 von 600 Mannschaften in Texas.

Aufgestylt für eine Nacht!

Der Höhepunkt meines Austauschjahres war sicherlich der Prom, der Abschlussball für die Junior- und die Senior Klasse von 2006 (11. und 12. Klässler 2006). Nach einem anstrengenden Vor- und Nachmittag (angefangen mit Pediküre und Maniküre, weiter mit einem dreistündigen Friseurbesuch und zum Abschluss noch ein Besuch beim Visagisten) ging es los mit dem Bilderschiessen, Essengehen und dann abends, aufgestylt bis ins letzte Detail ging es ab zum Prom! Zusammen mit meinem Freund verbrachte ich einen wunderschönen Abend, wir tanzten bis zum Umfallen, kosteten das leckere Essen, naschten am Schokolade - Springbrunnen, und machten uns nach dem Tanz auf zu den örtlichen Partys, auf denen alle Schüler unsere Schule zu Gast waren.

Beziehungen fürs Leben!

Ohne meine nette Gastfamilie wären in diesem Jahr einige Sachen sicherlich nicht so glatt gelaufen, ihnen muss ich mit vollem Herzen danken. Ich war niemals die Austauschschülerin, die jetzt mal ein Jahr hier lebte, ich war immer die Tochter aus Deutschland. Wann auch immer meine Gastmutter ihre und damit auch meine Familie vorstellte war ich ihre Tochter. Meine Mom und ich bauten uns eine Beziehung auf, die eher nach Freundinnen oder Schwestern aussah, das war sehr gelungen, da im Haus keine anderen Geschwister in meinem Alter waren. Für Karlee war ich die große Schwester, die sie bewundern konnte und der sie alles nachmachen konnte, wenn Mimi etwas tat, tat Karlee es auch.

Außer Mom und Karlee gab es in der Familie noch Grandma and Grandpa, Uncle Rob, Terry, Kaytie und Rachel. Meine Großeltern und Uncle Rob wohnten drei Stunden südlich, in Houston, TX, Terry, die Patentante meiner Schwester und ihre beiden Töchter wohnten in Cincinnati, OH. Alle versuchten mich schnellstmöglich zu besuchen. Terry flog schon in meiner ersten Woche zu uns nach Texas, meine Großeltern kamen auch schon am ersten Wochenende.

Die wichtigsten Bezugspersonen während meines Austauschjahres waren dennoch meine neuen Freunde. Meine drei besten Freunde gingen mit mir durch dick und dünn, unterstützten mich 24 Stunden am Tag 7 Tage die Woche. Ich erlebte eine ganz neue Art Menschen kennen zu lernen. War ich am Anfang oft doch verwundert ob ich diese oder jene Person mögen könnte, und oftmals doch schon auf Grund von Vorurteilen gegenüber manchen Menschen abgeneigt, entwickelte ich mich bald zu einer anderen Person; zu jemandem der Menschen nicht auf den ersten Blick beurteilte und erst nach genauerem Hinschauen das wahre Ich von ihnen erkannte. Graciella lernte ich beim Volleyball spielen kenne. Sie wies mich in das Schulleben an der Forney Highschool ein und war mir stets eine gute Freundin. Wir liefen zusammen zu unseren Räumen, hatten unsere Schließfächer in der Sporthalle nebeneinander, aßen zusammen zu Mittag und trafen uns auch nach der Schule. Mit Josh und Von kam ich erst später in Kontakt. Die Beiden waren meine zusammenwohnenden Nachbarn und gingen wie ich in die 11. Klasse. Wir vier waren bald ein Dreamteam und verbrachten jede freie Minute zusammen. Wann auch immer doch mal Heimweh aufzog oder die Zeit einfach nicht rumgehen wollte, waren sie für mich da und brachten mich auf andere Gedanken. Ein gemeinsames Wochenende im Haus von Verwandten war eine großartige Zeit die wir zusammen verbrachten.

Anders als erwartet? Schon ein bischen!

Beim Beginn eines ATJ hatte ich Erwartungen: Auf den VBTs und den Workshops wurde uns Goes (in ein ATJ gehende YFU'ler) empfohlen ohne Erwartungen wegzugehen, dann würde man nicht enttäuscht werden und man hätte es einfacher. Das war leichter gesagt als getan. Man musste nur sein Austauschjahr ansprechen, schon wurde man mit Vorurteilen, alten Erfahrungen, Vorstellungen und Hirngespinsten erschlagen. So kam also auch ich in den Vereinigten Staaten an, mit den Hintergedanken von übergewichtigen Hamburgeressenden Amerikanern, immerarbeitenden Geschäftsfrauen, materialistischen Vätern, eigensinnigen Jugendlichen und verzogenen Kindern. Im Hinterkopf dachte ich schon wieder ans Abnehmen, mein Jahr dachte ich kann ich alleine durchziehen, materialistisch werden wollte ich nicht und deshalb dachte ich lasse ich mich erst mal mit niemanden ein. Gesagt getan? Nein, von der ersten Sekunde an waren alle Amerikaner offen und warmherzig, immer zu einem Späßchen bereit, immer für mich da, sogar die Geschichte dass alle Amis drei Mal täglich bei McDonalds essen war nicht wahr. Natürlich gab es immer wieder Ansätze von Materialismus und auch Übergewicht, aber im großen und ganzen waren dies Einzelfälle und nicht die Allgemeinheit.

Erfahrungen fürs Leben?

Die Erfahrung ein Jahr lang ohne Eltern zu sein fand ich sehr bewegend. Manchmal dachte ich "Kann denn nicht mal jemand anderes für mich entscheiden?". Oft habe ich gemerkt wie sehr wir Jugendlichen glauben wir könnten auf uns alleine gestellt sein und wie unwahr es doch ist. Mit 16 oder 17 Jahren alleine dazustehen ist gar nicht so einfach wie wir uns das vorstellen.

Wie sehr ich mich in einem Jahr an Menschen, Vereine, Situationen und Welten gewöhnen kann hätte ich mir vor Amerika auch nicht träumen lassen. Der Abschied am Ende war schwerer als gedacht. Doch nicht nur bei mir, wie ich es erwartet hätte, kullerten die Tränen, meine Familie, meine Freunde, meine Nachbarn und sogar einige Lehrer und Trainer konnten sich feuchte Augen nicht verkneifen.

Ein Austauschjahr kann ich nach diesem Jahr wirklich jedem empfehlen. Egal wie es läuft, ob man wie ich sehr viel Glück mit der Gastfamilie hat, oder ob man seine Familie drei Mal wechseln muss, es springt immer so viel Positives für den weiteren Lebensweg heraus, dass ein Austauschjahr auf jeden Fall eine gelungene Sache ist.

Wieder zurück!

Das Zurück-Eingewöhnen in Deutschland verlief ein wenig anders als erwartet. Für wenige Tage war ich in einem Stimmungshoch, weil einfach jeder nach mir fragte, alle Bilder sehen wollten, ich die wichtige Person war. Meine Turnmädels überraschten mich auf dem Nachhauseweg vom Flughafen, eine kleine Party stand an, alles war wunderbar....doch dann, mit einem Mal war es rum und alle kehrten zurück in ihren Alltag und ich war wieder Miriam, wie sie vor einem Jahr war, ich fühlte mich oft ein wenig unverstanden, denn viele Leute konnten einfach nicht verstehen, dass auch ich mich in meiner Persönlichkeit vielleicht ein wenig verändert habe.

Trotzdem würde und werde ich ein Austauschjahr immer und jedem empfehlen. Vielen Dank liebe Frau Kressl für die Chance, die sie mir mit diesem Stipendium gegeben haben. Ich habe mich meiner Meinung nach sehr zum Positiven verändert und war sicherlich eine gelungene Repräsentantin Deutschlands. Auch weiterhin werde ich versuchen positive Schlüsse aus meinen Erfahrungen dieses Jahres zu ziehen. Nochmals vielen Dank.

 

Navigation

Bürgerbüro

Nicolette Kressl, MdB
Wahlkreisbüro
Kaiserstr. 25a
76437 Rastatt
Tel.: 0 72 22 - 78 83 55
Fax: 0 72 22 - 3 00 73
nicolette.kressl@wk.bundestag.de

© Nicolette Kressl, MdB - Deutscher Bundestag - Platz der Republik - 11011 Berlin