HOME | RSS | NEWSLETTER | AUS MEINER SICHT | GÄSTEBUCH | HILFE | IMPRESSUM
     Suche:
WAHLKREIS ,
Sie sind hier: WAHLKREIS > Parl. Patenschaften > PPP 2003/04

Parlamentarisches Patenschaftsprogramm 2003/04

"Ein Jahr, das mich verändert hat"

PPP 2003

Von Ruth Lorenz

Nach fast einem Jahr von Bewerbungprozessen, Vorbereitungstagungen, Visaanträgen usw ging meine Reise in die Vereinigten Staaten von Amerika letztes Jahr im August endlich los. Zusammen mit ca 100 anderen Austauschschülern flog ich nach New York, von wo aus die Reise mit dem Bus weiter nach Pittsburgh/Pennsylvania ging - circa 60 Minuten von dort, wo ich wohnen sollte, entfernt. Dort hatten wir eine Orientierung, die uns ein wenig auf die kommenden Wochen vorbereiten sollte. Am nächsten Abend wurden wir schließlich alle von unseren Gastfamilien abgeholt, was ziemlich aufregend war, da sich meine Familie kurzfristig noch geändert hatte und ich davon nichts wusste. So kam ich also zu meiner Familie, und bis zum Schulbeginn waren noch zwei Wochen Zeit, sodass ich mich erst einmal noch an mein neues Umfeld gewöhnen konnte.

Neue Erfahrungen

In der letzten Augustwoche fing die Schule und damit auch eine vollkommen neue Erfahrung für mich an. Der Schulalltag, der so anders als der deutsche ist sah im Einzelnen wie folgt aus: 6.00 Uhr aufstehen. Zur Schule ging's mit dem, aus Film und Fernsehen wohl bekannten, gelben Schulbus. Um 7.30 Uhr begann der Unterricht, und am Anfang eines jeden Schultags stand die "Pledge of Allegiance" auf dem Programm, bei der jeder Schüler seine Treue zur amerikanischen Flagge schwört. Was am Anfang recht gewöhnungsbedürftig war, waren die strengen Schulvorschriften und der ständige Wechsel der Klassenzimmer und Mitschüler. Auf die Pledge folgten dann neun Stunden Unterricht inklusive einer Stunde Mittagspause, die aber in der Cafeteria verbracht werden musste. Grundsätzlich war es keinem Schüler erlaubt, während der Unterrichtszeit ohne Pass vom Lehrer auf dem Gang oder sonst irgendwo außerhalb des Klassenzimmers zu sein. PPP 2003 Da es mit meiner ersten Gastfamilie Probleme gab, die nicht zu lösen waren, musste ich nach drei Monaten die Gastfamilie wechseln, und ich wurde zwischenzeitlich bei einer Übergangsfamilie untergebracht. Leider dauerte es mehr als zwei Monate, bis eine neue Familie und Schule gefunden war, sodass ich erst nach Sylvester zu meiner endgültigen Familie wechseln konnte. Meine neue Familie und auch die Schule waren ein Glücksfall und dort lief alles bedeutend besser als zuvor. Schon kurz nachdem ich bei meinen neuen Gasteltern Einzug gehalten hatte, konnte ich in der Schule beim Musical mitwirken und auf diesem Weg auch schnell neue Mitschüler kennen lernen.

Das amerikanische Schulsystem

Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt wurden war, ob mir Schule hier oder in Amerika besser gefällt. Allgemein kann ich das nicht sagen, da das amerikanische System und das unsere so vollkommen verschieden sind. Was mir in den USA sehr gefallen hat, war die Klassengröße der einzelnen Kurse, in denen im Prinzip nie mehr als ca. 22 Schüler waren. Meistens sogar bedeutend weniger, wie z.B in Französisch (4), Sport (12), oder "aktuellen Weltereignissen" (7). Auch die Auswahl der zur Verfügung stehenden Kurse war überwältigend. So konnte man z.B "Law" (Gesetzeslehre), Chor oder "Child development" (der richtige Umgang mit Babys und Kleinkindern) und viele weitere Fächer, die sich nicht nur aufs rein Akademische beziehen, wählen. Da jeder Schüler sie nach seinem Voraussetzungen, natürlich unter Berücksichtigung bestimmter Vorgaben, individuell aussuchen kann, werden meiner Meinung nach bestimmte Begabungen auch besser gefördert. Dabei muss man jedoch auch berücksichtigen, dass diese Vielzahl an Möglichkeiten auch sehr von der finanziellen Lage der Schule abhängt. So war in meiner ersten Schule z.B. überall nur das Nötigste vorhanden (von Kursen über außerschulische Angebote bis zum Essen in der Cafeteria).

Wie schon erwähnt, wurde ich bereits wenige Tage nach meinem Ankommen Mitglied der Musicalgruppe, was eine unglaubliche Erfahrung war. Natürlich war damit sehr viel harte Arbeit und Proben verbunden (in den letzten sechs Wochen täglich bis zu sieben Stunden - und das neben der Schule), aber am Schluss wurden wir dafür auch reichlich belohnt. Am Ende unseres dreimonatigen Projektes waren wir in sechs Aufführungen vor insgesamt mehr als 5000 Leuten gestanden und sogar die Nachmittagsvorstellung war ausverkauft, was Schulrekord war. Es war so erfolgreich, dass wir in allen uns möglichen Kategorien für die Gene Kelly Awards (eine Art Oscarverleihung für Schulmusicals) nominiert waren. Diese Verleihung fand Ende Mai in Pittsburgh statt und wir hatten die Möglichkeit einen Teil unseres Programms im Benedumtheater vor wiederherum 3000 Menschen aufzuführen. Dieser Abend war sicherlich der Höhepunkt meines Austauschjahres, zumal "Joseph" (unser Musical) in sieben Kategorien inklusive "Bestes Musical" gewann. PPP 2003 Ein weiterer Höhepunkt des Jahres war der sogenannte "Prom", eine Tanzveranstaltung, die das Highlight eines jeden Highschool Schülers darstellt. Die Vorbereitungen dafür fangen schon Monate vorher an, und bei manchen Mädchen geht das soweit, dass sie nichts anders mehr im Kopf haben. Außer Limousine und Blumen, was gewöhnlich der Junge besorgt, gibt es noch allerhand andere Sachen an die Frau so denken muss. Die perfekte Frisur, Solariumsbräune und künstliche Fingernägel sind dabei ebenso wichtig wie das Kleid, und für amerikanische Mädchen ist es dabei keine Ausnahme dafür schnell mal $500 bis $600 auszugeben. Natürlich alles nur Ansichtssache und es geht auch deutlich billiger, wenn man z.B die Nachbarin zum Haare machen engagiert.

Der Abend selber lief dann so ab, dass bis zwölf getanzt wurde und anschließend der "Afterprom" begann, der unterhaltsame Teil, mit Showprogramm, Spielen usw. Morgens um fünf brachte die Limo uns wieder nach Hause, bzw. an die Schule, wo wir am Vorabend auch noch am Promwalk (einer Vorstellung aller Paare auf der Bühne) teilgenommen hatten.

Über ein ganzes Jahr in solch einem kurzen Text zu berichten empfinde ich als äußerst schwierig, da man so viel zu erzählen hat und man sich doch aufs Wesentliche beschränken muss.

Abschied

Am Ende meines Jahres stand die "graduation ceremony", die feierlich Übergabe der Abschlussdiplome die zum Studieren an einer amerikanischen Universität berechtigen. Ganz imagegetreu trugen wir dabei schöne weite Gewänder und auch die viereckigen Hüte fehlten natürlich nicht. Dies ging natürlich alles sehr patriotisch, so wie viele andere Sachen auch, vonstatten und am Anfang wurde von uns Mitgliedern der Chores feierlich die Nationalhymne gesungen.

Danach hatte ich noch drei Wochen mit meiner Gastfamilie, bevor es wieder zurück nach Hause ging. Es war eine komische Zeit. Einerseits war da natürlich die Vorfreude auf daheim, auf meine Familie, meine Freunde und alles, was ich während des Jahres so furchtbar vermisst habe. Andererseits aber auch der Abschied von meinem neuen zu Hause, meiner neuen Familie in Amerika. Diese drei Wochen vergingen schnell und jetzt bin ich schon seit mehr als drei Monaten wieder zu Hause.

"Wie war's denn so?"

Es war ein Jahr, das mich verändert hat. Vor und während des Austauschjahres wurde uns gesagt, dass danach nichts mehr ist, wie es einmal war. Es würde unseren Horizont erweitern, aber auch Rückanpassungsschwierigkeiten bescheren. In einem Jahr passiert so viel und die Zeit ist ohne uns hier weitergelaufen. Es sind Freundschaften entstanden mit anderen Austauschschülern von überall her, die vielleicht ein Leben lang halten werden.

Wieder daheim soll man dann erzählen und die Standardfrage lautet : "Wie war's denn so in den USA?" Das lässt sich so nicht beantworten. Denn oft erzählen wir dann nur von dem, was uns gefallen hat. Aber es gibt wie überall auch ein Kehrseite der Medaille. Momente, in denen man verzweifelt ist und sich fragt, warum man sich das alles eigentlich antut, ganz allein, bei am Anfang fremden Leuten in einer fremden Kultur zu leben und alles, was man bisher für selbstverständlich gehalten hat, aufzugeben, nur um neue Erfahrungen zu sammeln. Bei mir persönlich gab es Zeiten, vor allem vor Weihnachten, als ich nicht wusste, wo ich in der nächsten Woche sein werde, in denen ich dachte, ich könnte das nie und nimmer bis Juli durchhalten. Diese Ungewissheit, zwei Monate aus einem Koffer zu leben und dauernd Versprechungen gemacht zu bekommen, dass sich in ein paar Tagen, was dann zu Monaten wurde eine Gastfamilie finden würde, war sehr anstrengend.

Doch im Nachhinein bin ich sehr dankbar, dass ich zu meiner zweiten Familie kam. Mit meinen Gasteltern bin ich natürlich immer noch in Kontakt. Meine Gastmutter erwartet im November ihr erstes Kind und wir sind schon kräftig dabei, Pläne zu schmieden, wann die drei mich und meine Familie hier in Deutschland besuchen kommen.

 

Navigation

Bürgerbüro

Nicolette Kressl, MdB
Wahlkreisbüro
Kaiserstr. 25a
76437 Rastatt
Tel.: 0 72 22 - 78 83 55
Fax: 0 72 22 - 3 00 73
nicolette.kressl@wk.bundestag.de

© Nicolette Kressl, MdB - Deutscher Bundestag - Platz der Republik - 11011 Berlin