
"Ich glaub ich steh im Wald" bzw. auf der Wiese, könnte manch ein Besucher denken, der mein Büro betritt: Überall tummeln sich Schafe - auf Kalendern, auf Bildern, in Gestalt kuscheliger Plüschtiere, auf meinen Tassen, als Lesezeichen oder in Form von Buchstützen. Als Bundestagsabgeordnete komme ich aufgrund der vielen Sitzungen und Termine manchmal zu wenig zum "Schäfchen zählen", umso schöner ist es dann, meiner Sammelleidenschaft nachzukommen. Schafe sammle ich seit vielen Jahren.
Angefangen hat das mit der Lektüre von "Der kleine Prinz": Antoine de Saint-Exupéry klagt in seinem Buch das Unvermögen der Erwachsenen an. Erwachsene haben keine Phantasie und entwickeln sich vom zauberischen und märchenhaften Kind zu einem nur noch materiell bedingten Wesen.
Das Schaf taucht im zweiten Abschnitt des Buches auf: In einem großen Erzählsprung tritt der Leser dabei von der Kindheit des Autors im ersten Abschnitt in eine Episode des erwachsenen Daseins des Schreibers im zweiten Abschnitt. Dieser hat sich nun der Fliegerei hingegeben: Ein Beruf mit Rechnerei und viel Wissen, aber auch mit Phantasterei und abenteuerlichen Erlebnissen.
Der Schreiber trifft nach einem Flugzeugabsturz in der Wüste den kleine Prinzen. Eine Begegnung mit Folgen: Der kleine Prinz gibt nie auf, ohne eine Antwort auf eine seiner Fragen zu bekommen. Er bittet den Schreiber, ein Schaf zu malen. Nach vielen Versuchen (zu groß, zu klein, zu dick) ist der Autor genervt und malt es in eine Kiste. Jetzt ist der kleine Prinz zufrieden.
Der kleine Prinz lacht über das Flugzeug des Piloten, über dessen Nutzen dieser ihn belehrt, ist aber vor allem über das Bild (Schaf) sehr glücklich. Unbefangenes Plaudern und Fragen des kleinen Prinzen lassen den Piloten die eigentlich bedrohliche Situation (Flugzeugabsturz in der Wüste) vergessen. Das Schaf in der Zeichnung ist nicht länger eine Kreatur, sondern scheint immer mehr zu leben. Der Schreiber und vielleicht auch der Leser erhält so seine naiv-kindliche Art zurück.
Das Schaf ist für mich eine stete Erinnerung daran, die Phantasie nicht zu vergessen. Und Phantasie ist auch und gerade im politischen Leben wichtig!
Nicolette Kressl, MdB
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