HOME | RSS | NEWSLETTER | AUS MEINER SICHT | GÄSTEBUCH | IMPRESSUM
     Suche:
PERSON ,
Sie sind hier: PERSON > Presseporträts

Presseporträts

Ganz leise nach oben: Nicolette Kressl macht Karriere

Foto von Nicolette Kressl
Nicolette Kressl mit ihrem Berliner Team

Von Stefan Braun (Stuttgarter Zeitung vom 04.08.2003)

Das Büro ist hell und licht und ziemlich aufgeräumt, die Worte der Chefin zu den Mitarbeitern sind knapp, sachlich und sehr freundlich. Irgendwie also ist alles fein geordnet bei Nicolette Kressl. Genauso wie ihr herzliches Lächeln beim Empfang, ihr fester Händedruck, ihre leise und klare Sprache. Da merkt man nichts von einem Karrieresprung, da gibt's kein Von-oben-herab und keine Arroganz durch das neue Amt. Und das, obwohl die 44-jährige Gewerbeschullehrerin aus Baden-Baden im vergangenen Herbst deutlich aufgestiegen ist.

Aus dem ordentlichen Mitglied des Bundestags-Finanzausschusses mit Fachgebiet Steuerfragen ist nach der letzten Bundestagswahl eine stellvertretende Fraktionsvorsitzende geworden. Damit sitzt die Frau aus Baden-Württemberg im Zentrum der Macht, jedenfalls dann, wenn man die Fraktion der SPD als mächtig ansieht in dem großen und außerdem ziemlich verflochtenen Regierungsapparat der rot-grünen Koalition.

"Ich will etwas bewegen"

Macht ist für Kressl kein Schimpfwort, Macht ist für sie nichts Anrüchiges. Macht ist wichtig, und Kressl ist stolz auf ihre neue Aufgabe. Denn: "Ich will etwas bewegen." Nun ist dieser Satz nicht gerade selten im Wortschatz eines Parlamentariers. Und er gehört allzu oft zu den abgegriffenen Floskeln über das "Warum-bin-ich-in-die-Politik-Gegangen". Bei Kressl aber spürt man schnell, dass ihr es ernst ist mit dem Ziel. Im alten Amt hatte sie durchgekämpft, dass bei Alleinerziehenden die erwerbsbedingten Betreuungskosten von der Steuer freigestellt worden sind - und noch heute leuchten ihre Augen, wenn sie sich an die nächtelangen Verhandlungen und Detailarbeiten am Gesetz erinnert. "Da wird man schon fast süchtig nach den Nachtsitzungen und den Paragrafen", erzählt sie schmunzelnd.

Solcherlei gesetzgeberische Filigranarbeit steht Kressl vorerst nicht mehr bevor. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende ist sie für die Familien- und Frauenpolitik wie für Bildung und Forschung zuständig. Und diese Zuständigkeit "verlangt von mir mehr Koordination als Formulierungskunst". Lorbeeren, so ahnt sie es längst, lassen sich damit nicht automatisch verdienen. Wer als "Bindeglied zwischen Ministerium und Regierungsfraktion" fungiere, der könne sich persönlich nicht so gut profilieren. Eine "Gratwanderung" sei das meistens, bei der Erfolge eher dem Ministerium und Konflikte eher der Koordinatorin zugeordnet würden.

Politik für Familien und Frauen

Und das dann auch noch in einem politischen Feld, das nur direkt vor Wahlen in allen Parteien ganz groß geschrieben wird: Familien- und Frauenpolitik. Sind die Stimmen erst mal gezählt, dann rückt das Thema schnell wieder in die zweite Reihe zurück. Das hat die frühere Familienministerin Christine Bergmann schon früh nach dem ersten rot-grünen Wahlsieg 1998 erfahren müssen; das bekommt in dieser Legislatur deren Nachfolgerin Renate Schmidt zu spüren; und das wird auch Kressl nicht erspart bleiben.

Ihre Motivation für die Sache aber mag sich Kressl von diesem Auf und Ab politischer Konjunktur nicht nehmen lassen. Ihre Aufgabe sei und bleibe vor allem eines: "Wir müssen für mehr Akzeptanz und mehr Gerechtigkeit kämpfen." Von nichts und niemandem werde sie sich da abbringen lassen, fügt sie hinzu - und strahlt dabei so angriffslustig, als wolle sie jeden Zweifel per Charmeattacke verbannen: "Wissen Sie, Familienpolitik, Kinderbetreuung und die Frauenerwerbsquote - das ist längst nicht mehr ein Frauenthema. Das ist eine ökonomische Frage."

Engagement für die Menschen

So eindeutig die Dinge in dieser Sache inzwischen liegen mögen, es ist nicht die Familien- und Frauenpolitik gewesen, die Kressl 1984 in die SPD führten. Ihr Spezialgebiet ist der Verbraucherschutz gewesen, es ging um Schadstoffe in Lebensmitteln. In der Partei hat sie schnell Karriere gemacht: Nach vier Jahren Mitgliedschaft landete sie bereits im SPD-Landesvorstand, sechs Jahre später zog sie in den Bundestag ein. Parallel dazu engagiert sie sich bei der Arbeiterwohlfahrt, beim Bund, in der Verbraucherzentrale, in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Gustav-Heinemann-Initiative.

Nimmt man all das zusammen, dann klingt es sehr nach einer mustergültigen SPD-Karriere, weitere Etappen nicht ausgeschlossen. Mit einem allerdings mag sich die gerade Aufgestiegene nicht abfinden: den politischen Parallelgeschäften. Kaum sei sie im vergangenen Herbst ins neue Amt gekommen, da hätte auch schon ihr Telefon geklingelt. Immer wieder hätten Journalisten und Kollegen sie gebeten, aus geschlossenen Sitzungen von Partei und Fraktion zu berichten. Als sie das aber abgelehnt habe, sei das Interesse schnell wieder verschwunden. "Auf diese Weise wichtig werden - damit will ich erst gar nicht anfangen."

 

Weitere Porträts

Icon Die leise Gegenspielerin
Neue Westfälische vom 08.05.2007, S. 2
Icon Wer ist hier unsozial?
Die Zeit vom 01.03.2007, S. 24
Icon Ganz leise nach oben
Stuttgarter Zeitung vom 04.08.2003.

Berliner Büro

Nicolette Kressl, MdB
Deutscher Bundestag
Platz der Republik
11011 Berlin
Tel.: 0 30 - 22 77 12 10
Fax: 0 30 - 22 77 65 01
nicolette.kressl@bundestag.de

Bürgerbüro

Nicolette Kressl, MdB
Wahlkreisbüro
Kaiserstr. 25a
76437 Rastatt
Tel.: 0 72 22 - 78 83 55
Fax: 0 72 22 - 3 00 73
nicolette.kressl@wk.bundestag.de

© Nicolette Kressl, MdB - Deutscher Bundestag - Platz der Republik - 11011 Berlin