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Bildung und Forschung

Schulische Bildung

Nicolette Kressl mit Schülerinnen und Schülern

Für die SPD ist die Verbesserung von Chancengleichheit im Bildungssystem ein wesentliches Gebot einer vorsorgenden Politik sozialer Gerechtigkeit. Der schulischen Bildung kommt dabei entscheidende Bedeutung zu, da hier wesentliche Grundlagen für individuelle Bildungs- und Erwerbsbiografien gelegt werden.

Nicht erst seit den PISA-Studien wissen wir aber, dass Kinder aus sozial benachteiligten oder bildungsferneren Familien geringere Bildungs- und entsprechend schlechtere Zukunftschancen haben. Nach wie vor gilt, dass der negative Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschance in kaum einem vergleichbaren Land so stark ausgeprägt ist wie in Deutschland.

Herkunftsbedingte Bildungsdisparitäten zeigen sich nahezu in allen Bildungsbereichen und in allen Phasen des Lebenslaufs. Als entscheidende Selektionshürde erweist sich dabei bereits der Übergang von der Grundschule in den Sekundarbereich I, der eine wesentliche Vorentscheidung über die weiteren Bildungschancen darstellt. Die Chance, an dieser Stelle den Übergang auf ein Gymnasium zu schaffen, ist für Kinder aus Familien der „höchsten Sozialschicht“ viermal größer als für Facharbeiterkinder. Diese sind im Gegenzug wiederum in den Hauptschulen deutlich überrepräsentiert, während lediglich sechs Prozent der Arbeiterkinder ein Hochschulstudium aufnehmen.

Für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem

Sozialdemokratische Bildungspolitik verfolgt daher das Ziel, die frühe soziale Selektion im Bildungssystem zu überwinden, um allen Kindern und Jugendlichen gleiche Bildungs- und Qualifizierungschancen zuteil werden zu lassen. Bildung muss stärker als bislang als lebenslanger Prozess verstanden werden, der bereits mit der Geburt beginnt, und für dessen Erfolg einer besseren, individuellen und frühzeitigen Förderung von Kindern gerade aus sozial benachteiligten bzw. bildungsferneren Elternhäusern eine Schlüsselrolle zukommt. Sie benötigen entsprechende Förderangebote ganz besonders, da ihre Eltern nicht selten mit der kindgerechten Ausübung ihrer Bildungs- und Erziehungsaufgaben überfordert sind und ihren Kindern nicht die erforderliche unterrichtsbegleitende Unterstützung geben (können).

Um Kinder besser frühzeitig und individuell zu fördern, muss zum einen an den Schulen mehr Raum und Zeit für individuelle Unterstützungs- und Förderangebote geschaffen werden, insbesondere durch den Ausbau von Ganztagsschulen. Zum anderen muss auch die vorschulische Betreuungsinfrastruktur ausgebaut und der Bildungsauftrag der Betreuungseinrichtungen gestärkt werden.

Beide Zielsetzungen stellen aus sozialdemokratischer Sicht wichtige Schritte auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit im Bildungssystem dar. Zugleich gehören sie zu den neuen Aufgaben einer zeitgemäßen Familienpolitik, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Vordergrund rückt.

 Thema

Zukunft Bildung und Betreuung

Ganztagsschulen: Mehr Zeit zum Lernen

Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland mit seinem Schulsystem, das fast ausschließlich auf Halbtagsschulen baut, in einer Sonderrolle. Im europäischen und außereuropäischen Ausland sind Ganztagsschulen so verbreitet, dass es dafür keinen eigenen Begriff gibt. Dort bedeutet "Schule" ganz selbstverständlich, dass Schülerinnen und Schüler auch am Nachmittag unterrichtet und betreut werden.

Mit dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) haben wir das größte Schulbauprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik gestartet. Der Bund unterstützt die Länder in den Jahren 2003 bis 2007 mit insgesamt vier Milliarden beim Auf- und Ausbau des Ganztagsschulangebotes. Link weiter

© Nicolette Kressl, MdB - Deutscher Bundestag - Platz der Republik - 11011 Berlin