Der „Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland“ wurde im Juni 2004 von der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft für eine Dauer von drei Jahren vereinbart. Ziel ist es, eine nachhaltige Verbesserung der Ausbildungssituation zu bewirken und allen ausbildungswilligen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz oder eine Einstiegsqualifizierung anzubieten.
Der Ausbildungspakt war von der SPD-Bundestagsfraktion maßgeblich mit auf den Weg gebracht worden. Nachdem die Zahl der Ausbildungsplätze seit 1999 kontinuierlich zurückgegangen war sind wir aktiv geworden und haben eine gesetzliche Regelung zur Verbesserung der Ausbildungssituation vorbereitet und beschlossen. Nur durch dieses Engagement konnte mit der Wirtschaft ein Pakt für Ausbildung vereinbart werden.
Die Paktpartner haben 2004 unter anderem folgende Maßnahmen beschlossen:
Die Bilanz nach drei Jahren Ausbildungspakt zeigt: Der Pakt greift und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der beruflichen Bildungschancen junger Menschen. Die Paktpartner erfüllen ihre Zusagen nicht nur, sie übertreffen sie sogar deutlich: Die Wirtschaft konnte 59.500 neue Ausbildungsplätze im Jahr 2004, 63.400 neue Plätze im Jahr 2005 und 67.900 neue Ausbildungsplätze im Jahr 2006 einwerben. 40.000 Betriebe konnten 2005 erstmals für Ausbildung gewonnen werden, 2006 waren es 40.500. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg im dritten Paktjahr 2006 um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es handelt sich hierbei um den größten Zuwachs seit der Wiedervereinigung. Gegenüber 2003 - dem Jahr vor dem Ausbildungspakt - ist ein Anstieg um 3,3 Prozent zu verzeichnen.
Auch die Bundesverwaltung hat ihr Ausbildungsangebot innerhalb eines Jahres nach Abschluss des Paktes um 34 Prozent gesteigert und 2005 weiter erhöht. Die Bundesregierung fördert die Schaffung von Ausbildungsplätzen u.a. mit dem Jobstarter-Programm sowie im Rahmen des Bund-Länder-Ausbildungsplatzprogramms Ost.
Erfreulich ist auch die Entwicklung bei der Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ): Die zugesagten 25.000 EQJ-Plätze sind auch im Ausbildungsjahr 2005/06 mit rund 29.600 bereit gestellten Plätzen bis Ende September 2006 erneut deutlich übertroffen worden.
Auf der anderen Seite zeigt sich allerdings auch, dass die Lage am Ausbildungsstellenmarkt trotz der Erfolge des Ausbildungspaktes angespannt bleibt. Zwar konnte der Ausbildungspakt dazu beitragen, die Auseinanderentwicklung von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt deutlich abzumildern. Ohne Ausbildungspakt wäre die Situation am Ausbildungsstellenmarkt sehr viel dramatischer. Allerdings müssen wir auch feststellen, dass die Gesamtssituation angesichts steigender Bewerberzahlen und der hohen Zahl an Altbewerber/inne/n weiterhin angespannt bleibt.
Insgesamt zeigen diese Vereinbarungen, dass sich die Wirtschaft ihrer Verantwortung im Bereich der dualen Berufsbildung bewusst ist. Nun wird es darauf ankommen, den freiwilligen Selbstverpflichtungen konkrete Taten folgen zu lassen, um nicht nur die Zukunftschancen der jungen Menschen zu verbessern, sondern auch den dringend benötigten Nachwuchs an gut qualifizierten Fachkräften langfristig zu sichern.
Die SPD-Bundestagsfraktion begrüßt außerdem, dass auch die Bundesregierung ihre Zusagen im Ausbildungspakt noch einmal deutlich erhöht hat. Neben der Fortführung des um 15.000 zusätzliche Plätze aufgestockten Sonderprogramms zur Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ), des ebenfalls aufgestockten Jobstarter-Programms sowie des Ausbildungsplatzprogramms Ost, begrüßen wir insbesondere die stärkere Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die Ausweitung ausbildungsbegleitender Hilfen und sozialpädagogischer Ausbildungsbegleitung (auch bei EQJ-Praktika) sowie das neue Förderprogramm zur passgenauen Vermittlung Auszubildender an kleine und mittlere Unternehmen.
Insgesamt setzt der Ausbildungspakt noch entschlossener und zugleich differenzierter als bisher an zentralen Stellschrauben und wichtigen Problempunkten der dualen Berufsbildung in Deutschland an. Der Pakt hat damit künftig ein noch größeres Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Qualifizierungs- und Arbeitsmarktchancen und damit der Zukunftsperspektiven der jungen Generation zu leisten.
Klar ist aber auch, dass der Ausbildungspakt nicht alle Probleme am Ausbildungsstellenmarkt lösen kann. Ein Problem ist der über Jahre gestiegene Anteil an so genannten Altbewerbern am Lehrstellenmarkt. Im vergangenen Jahr gab es unter den Ausbildungssuchenden über 300.000 Altbewerber. Viele davon waren am Jahresende erneut nicht in eine duale Ausbildung eingemündet. Je länger aber ein/e Jugendliche/r erfolglos als Altbewerber auf Ausbildungssuche ist, desto geringer fallen die Erfolgschancen aus. Ein bestimmter Anteil fällt nach einer gewissen Zeit komplett aus dem dualen Berufsbildungssystem heraus, ohne einen Abschluss erworben zu haben. Mit Blick auf die kommenden Jahre führt der hohe
Altbewerberanteil dazu, dass trotz sinkender Schulabgängerzahlen die Nachfrage am Ausbildungsmarkt auf hohem Niveau verbleiben wird.
Aus diesen Gründen hat die SPD-Bundestagsfraktion dieses Thema auf die Agenda der Koalition gesetzt. Ziel ist es, vor allem Altbewerber/innen und benachteiligten Jugendliche mit besonderem Förderbedarf noch besser unter die Arme zu greifen und erfolgversprechende Zukunftsperspektiven anzubieten.
Am 21. Juni 2007 haben die Koalitionsfraktionen auf unsere Initiative hin im Deutschen Bundestag ein Qualifizierungspaket für junge Menschen auf den Weg gebracht. Mit dem eingebrachten Koalitionsantrag „Junge Menschen fördern - Ausbildung schaffen und Qualifizierung sichern“ bündeln wir eine Reihe von Maßnahmen, Programmen und Initiativen, mit denen wir den Ausbildungspakt durch zusätzliche Angebote für die Jugendlichen flankieren wollen. Dabei setzen wir vor allem auch auf die Aktivierung zusätzlicher Ausbildungspotenziale in den Unternehmen.
Neben diesen Maßnahmen wollen wir unter anderem die berufsvorbereitenden Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit überprüfen, die Berufsberatung der BA verstärken und verbessern und den Einsatz von Paten zur frühzeitigen individuellen Begleitung insbesondere von Hauptschülern ausweiten. Außerdem werden wir die Aufteilung der Zuständigkeiten für Berufsberatung und Ausbildungsvermittlung zwischen den Agenturen und den Trägern der Grundsicherung überprüfen, um mögliche Schnittstellenprobleme zu beheben.
Insgesamt schnüren wir mit diesen Initiativen ein Chancenverbesserungspaket, mit dem wir vielen jungen Menschen gute Perspektiven für ihre Zukunft eröffnen, die sie ohne unsere Unterstützung nicht hätten. Um die Vorhaben zum Erfolg zu führen, sind wir aber auch auf das Engagement und die Kooperationsbereitschaft der Wirtschaft angewiesen. Nur gemeinsam können wir die Erfolge erreichen, die wir für die jungen Menschen brauchen.
Koalitionsantrag "Junge Menschen fördern - Ausbildung schaffen und Qualifizierung sichern" (PDF, Juni 2007)
Nicolette Kressl, MdB
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